














Der Jetlag hat es erlaubt, uns bis halb fünf schlafen zu lassen. Frühstück im Hotel war gut für amerikanische Verhältnisse. Es gab sogar Geschirr aus Porzellan, nicht nur aus Plastik. Trotzdem traurig, dass sich in den letzten Jahren nicht wirklich grundlegend was an der US Wegwerfgesellschaft geändert hat. Der deutsche Papier- oder Glasstrohhalm wird zwar nicht das Klima retten, aber Plastikbecher und -teller im Hotel immer noch als Standardoption? Muss man die Umwelt wirklich so sehr hassen?
Die Räumlichkeiten sind ansonsten sehr schön und einladend, so dass wir gestärkt starten könnten. Die Stimmung ist gut.
Von unserem Hotel aus ist die Stadt fußläufig gut zu erkunden, und so machen wir uns neugierig auf den Weg.
Die erste Station ist der Larimer Place, Denvers ‚historic district‘, der älteste Teil der Stadt. Ein Dutzend 150 Jahre alter Häuser als ‚historic‘ zu bezeichnen, nun ja. Darüber schmunzelt jedes europäische Dorf, aber egal.
Über die 16th Street und diverse Nebenstraßen mäandern wir mehr oder weniger zielstrebig Richtung State Capitol. Es ist noch früh, aber schon heiß und vor allem trocken, viel Trinken ist angesagt, und die dünne Luft der Mile High City tut ihr Übriges.
Das Capitol selbst ist ein imposanter Bau und der Öffentlichkeit frei zugänglich, transparente Demokratie wie sie sein sollte. Der Hausmeister bietet uns eine der kostenlosen Führungen an, aber wir erkunden lieber alles auf eigene Faust.
Viel los ist heute nicht, gefühlt sind wir die einzigen Touristen. Auch sonst sind die Straßen eher leer. Wenige Fußgänger begegnen uns, der Amerikaner ist komplett aufs Auto fokussiert. Und so wechseln sich im Stadtbild unzählige Parkhäuser und Parkplätze mit noch viel zahlreicheren Banken ab, Denver ist ein bedeutendes Finanzzentrum. Für Europäer ist der Grundriss der Rasterstadt mit seinem raumgreifenden Städtebau und ohne klare hierarchische Straßenführung ungewohnt. Vieles ist unnötig weitläufig, der Landfraß ist abseits der wenigen interessanten Landmarken eher abschreckend. Natürliche, über Jahrhunderte gewachsene Städte haben einfach einen anderen Charme, den der Amerikaner aber nicht vermisst, weil er ihn nie kennengelernt hat.
Nach dem Museumsviertel schlägt dann doch die Müdigkeit bei allen durch, in Deutschland ist es bereits kurz vor Mitternacht. Also kehren wir zurück ins klimatisierte Hotel, bei 97° Fahrenheit / 36° Celsius ist es eine Wohltat, dem heißen, trockenen Wind in den Straßen wieder zu entkommen.





































09:08 Uhr: Wir sind an Bord. Der Flug ist ausgebucht. Das Angebot, unser Handgepäck aufzugeben haben wir nach intensiven Verhandlungen dankend abgelehnt, wir werden ganz sicher nicht die nächsten 24h und drei Flüge ohne unser Handgepäck reisen und hoffen, dass es tatsächlich vollständig in Denver ankommt.